Ein Jahresrückblick

 

Ziemlich genau ein Jahr müsste es nun her sein, dass ich auf ein plastikfreies Leben umgestiegen bin. Leider habe ich mir das genaue Datum nie gemerkt, aber dass es im Juni gewesen sein muss, das weiß ich noch. Was ist in diesem Jahr alles passiert? Was habe ich aktiv verändert, was klappt irgendwie noch nicht so ganz? Ein paar Zahlen und Fakten:

 

  • In diesem Jahr habe ich rund 30 kg Plastikmüll eingespart
  • Ich kaufe nach wie vor alles unverpackt, ein paar kleine Ausnahmen muss ich mir aus gesundheitlichen Gründen einräumen
  • nachhaltig zu leben ist viel spannender und abwechslungsreicher, als ich dachte
  • Ich kann erste Erfolge in puncto „Menschen davon überzeugen“ verzeichnen
  • 95% der Menschen in meinem nahen Umfeld wissen von meiner Denkweise und beachten und respektieren diese

 

Jeder Deutsche produziert im Jahr durchschnittlich 37 kg Plastikmüll. Deutschland bezeichnet sich zwar als Recycling-Weltmeister, die Zahlen zu dem Thema widersprechen sich jedoch zu sehr, als dass ich ihnen Glauben schenken könnte, da sich jede „seriöse“ Quelle widerspricht. Nach wie vor fällt auch durch mich Plastikmüll an. Wenn ich bei meinen Eltern bin, bei Freunden, die eben nicht so darauf achten, willl ich schließlich auch nicht verhungern. Doch ich gebe mein Bestes, das ist alles, was geht.

Positive Impact

 

Was mich riesig freut ist die immer wiederkehrende Erfahrung, wenn Menschen mit dem Thema Nachhaltigkeit auf mich zukommen. Mir Fragen stellen, eine Diskussion beginnen oder einfach stolz ihren Wocheneinkauf präsentieren, bei dem kaum noch Plastik dabei ist. Ich freue mich da so sehr! Auch dann, wenn sie ein schlechtes Gewissen bekommen, in meiner Anwesenheit eine Plastiktüte mitzunehmen oder was auch immer. Das mag komisch klingen, aber es freut mich. Denn ich habe dadurch ein gewisses Grad an Aufmerksamkeit für das Thema geschaffen, mehr will ich auch gar nicht. Meine Ansicht ist es nach wie vor, die Menschen nicht von DER einen guten Sache (ist ja schließlich nur meine Ansicht) überzeugen zu wollen. Ich will vorrangig ein Bewusstsein für das Thema schaffen, im zweiten Schritt informieren und erst dann versuchen, die Leute ganz sachte davon zu überzeugen. Und auch nur wenn ich merke, dass derjenige das überhaupt will.

Bestes Beispiel ist meine beste Freundin Pauline vom Blog morninginjune.de . Als ich sie vor einem Jahr fragte: „Hey, hast du Lust ein Experiment mit mir zu wagen und plastikfrie zu leben?“ War ihre Antwort nur „Puh ne, das ist mir zu anstrengend und ich will nicht auf all die Dinge verzichten müssen“ . Und was soll ich sagen? Mittlerweile ist SIE diejenige, die sich am meisten für das Thema interessiert und es in ihrem Alltag versucht umzusetzen.

 

Was klappt, wo hapert es noch?

 

Wie gesagt gib es einige Lebensmittel, auf die ich aus gesundheitlichen Gründen nicht verzichten möchte und auch kann. Das Thema kam so erst vor einigen Monaten auf als ich das dringende Bedürfnis nach Fleisch oder vegetarischen Alternativen (Seitan, Tofu, etc.) hatte, denn die existierten in meinem Speiseplan ja so nicht mehr. Mit der Zeit musste ich feststellen, dass mir tatsächlich das Eiweiß oder was auch immer daraus fehlt. Jetzt denken sich alle: warum isst sie dann keine Hülsenfrüchte? Das ist nämlich so eine Sache, die mag ich nicht wirklich. Mit eigentlich allen Sorten an Bohnen, Erbsen und Linsen kann man mir echt weg bleiben, das esse ich wenn nur wiederwillig. Ich versuche immer wieder neue Rezepte und Dinge zu probieren, wie ich diese super gesunden Dinge (rein theoretisch weiß ich das ja schon) zu mir nehmen kann. Doch das dauert eben seine Zeit. Und bis dahin gibt es eben ein mal in der Woche eine in Plastik eingepackte Portion Tofu oder was auch immer. Ich habe in dieser Sache lange mit mir kämpfen müssen. Auf Chips, Gummibärchen und all das zu verzichten fiel mir nie schwer. Klar, ich freue mich wenn es das dann auf irgendeiner Party gibt und ich auch mal wieder in den Genuss komme, das ist dann wirklich ein Highlight. Aber da ich wie gesagt über meine restliche Ernährung super wenig Protein zu mir nehme, fehlt es meinem Körper einfach. Tatsächlich war mein letzter Bluttest auch nicht sonderlich erquicklich, ich bilde mir das Ganze also auch nicht einfach bloß ein. Soviel dazu.

 

Als nächsten Punkt möchte ich meinen Sommerurlaub letztes Jahr ansprechen, wir waren eine Woche per Anhalter durch Spanien und Frankreich unterwegs. Und wie man es sich schon denken kann: in den Ländern ist es nicht gerade einfach, unverpackt zu shoppen, vor allem wenn man immer nur kurz an einem Fleck ist auch auch gar keine Ahnung hat, wo es einen als nächstes hintreibt sprich man auch keine Zeit hat, sich irgendwie darauf vorbereiten. In diesem Urlaub fiel also wesentlich mehr Plastik an, als mir lieb war. Trotzdem haben wir unser bestes gegeben und Erfahrungen gesammelt, sodass wir es beim nächsten Mal besser machen können.

 

Mit der Sauberkeit in der Wohnung muss ich sagen sind wir auch noch nicht darauf umgestiegen, alle Reinigungsmittel selbst zu machen. Vor kurzem gab es bei uns von der Arbeit eine Aktion, bei der wir kostenlos einen ganzen Korb mit Reinigungssachen testen konnten, da habe ich ehrlich gesagt auch nicht Nein gesagt (der Schwabe in mir). Zumal das Thema in einer WG auch einfach schwierig ist, da muss man so nach und nach herausfinden, was für beide am passendsten ist. Unser Waschmittel hole ich beispielsweise ganz standard im Unverpackt-Laden, beziehungsweise fülle es mir dort ab.

 

Müllentsorgung

 

Womit ich mich erst seit geraumer Zeit beschäftige und mich auch definitiv noch eine ganze Weile beschäftigen werde, ist die Sache mit der Müllentsorgung. Natürlich wird bei uns sorgsam getrennt und auch auf der Arbeit versuche ich das konsequent durchzuziehen, soweit es in meiner Macht steht. Was mich allerdings bei uns extrem ärgert ist der Fakt, dass unsere Vermieterin keine Biotonne möchte, von der Stadt sind sie bei uns nämlich nicht Pflicht weil wir eine ländliche Gegend sind. Ihre Begründung hierfür: da stünden schon genug Tonnen vor dem Haus, eine Biotonne würde da gar nicht mehr hinpassen. Ob sich da noch was ändert weiß ich nicht, ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden. Interessanterweise wird in Stuttgart von Foodhsharing aus regelmäßig eine Besichtigung des Wertstoffhofes angeboten, leider immer nur donnerstags, und da habe ich Vorlesung. Aber irgendwann werde ich das auch noch schaffen und endlich wissen, was mit meinem Müll überhaupt passiert!

 

Werde ich jetzt doch Vegetarier?

 

Seit ich denken kann, spielt Fleisch in meiner Ernährung keine große Rolle. Meine Eltern leben vegetarisch, da erübrigt sich auch vieles, weil Mutti sollte schließlich auch nicht zwei Mal kochen müssen.

Fleisch gab es bei uns immer nur Bio, vielleicht mal am Grillabend oder wenn ich mal wieder Lust auf Wurstsalat hatte (meine kleine Leidenschaft, früher zumindest). Fleisch in seiner Ursprungsform war mir schon immer zuwider, ich aß lieber Würstchen oder Salami.

Seit ich nun jetzt alleine wohne, bleibt mir das Thema Fleischkonsum natürlich selbst überlassen. So habe ich es die letzten Jahre auch mehr oder weniger dahin plätschern lassen, mich als Quasi-Vegetarier bezeichnet weil ich in der Regel nie mehr als ein Mal in zwei Monaten Fleisch gekauft habe.  Da ich jetzt nun seit ziemlich genau einem Jahr plastikfrei lebe, kommt Fleisch für mich sowieso nicht in Frage. Als einziges Produkt bei uns im Laden habe ich Würstchen aus dem Glas entdeckt. Ab und an aß ich eben das Fleisch, was ich über Foodsharing bekam. Ich muss ehrlich sagen, dass es mir schon gut schmeckt. Ich könnte mir nur nie vorstellen, mehrmals pro Woche Fleisch zu essen, völlig undenkbar für mich.

Ehrlich gesagt sind mir vegetarische Alternativen aus Seiten beispielsweise dennoch tausend Mal lieber, allein schon vom Geschmack. Hinzu kommt natürlich der immsne CO2-Ausstoß plus das virtuelle Wasser, das für die Herstellung benötigt wird. Konventionelles Fleisch lehne ich aus diesem Grund kategorisch ab. Zum einen sind diese Tiere nie aus artgerechter Haltung, vollgestopft mit Antibiotikum, wurden geröntgt und haben noch das ganze Adrenalin von vor der Schlachtung im Körper. Natürlich lässt auch das sich bei biologisch erzeugtem Fleisch schwer vermeiden. Aber allein die Einstellung des Herstellers und der Umgang mit den Tieren ist auf einem Bio-Hof (so lange es kein riesiger Betrieb ist, der am Ende auch nur große Ketten beliefert) meiner Meinung nach ganz anders.

 

So habe ich für mich beschlossen, dass ich kein Fleisch mehr kaufen werde. Dennoch werde ich es nicht ablehnen, wenn es beispielsweise über Foodsharing zu mir kommt, sprich es sonst weggeworfen wird und das Tier somit völlig umsonst gestorben ist. Diese Ehre sollten wir glaube ich jedem Tier erbringen, dass sein Leben lassen musste, um uns zu ernähren. Auch habe ich beschlossen, Fleisch zu essen, wenn jemand dafür stundenlang in der Küche stand, all seine Zeit und Mühe hineingesteckt hat und eine Portion für mich eingeplant ist.

 

Außerdem möchte ich meinen eh schon minimalen Konsum von Milchprodukten weiter zurückfahren. Aktuell kaufe ich mir jede Woche ein Stück Käse, alle 2-3 Wochen einer Sechser-Packung Eier, alle 2 Wochen einen Liter Milch (eigentlich nur, wenn ich Lust auf Müsli habe) und dazu etwa ein Mal im Monat ein Glas Joghurt. Wenn man das so liest, ist es schon wirklich nicht viel. Für mich ist das eigentlich in Ordnung, jedoch finde ich pflanzliche Alternativen wesentlich nachhaltiger, auch wenn mir Milchprodukte eigentlich gut schmecken. Das ist momentan so der Plan. Ganz darauf verzichten möchte ich dennoch nicht. Zumal ich die Sorge habe, dass mich ein Veganer Dasein noch viel weiter einschränken würde, vor allem wenn ich nicht zuhause bin. Und da ich ein Mensch bin, der gerne und viel isst, kommt das so momentan einfach nicht in Frage.

 

Fazit

Ich habe all diese Entscheidungen für mich getroffen. Ich habe mich informiert, alle Argumente abgewogen und entschieden, dass es so der beste Weg für mich ist. Das mag auf viele andere nicht zutreffen, doch sollte man nicht jedem seine Entscheidung selbst überlassen?

Ich habe nach wie vor oft das Gefühl, dass ich nicht die nachhaltigste Entscheidung treffe. Dann nehme ich eben doch mal das Auto, wo theoretisch auch ein Bus fahren würde oder habe eben doch Lust auf die Tofu-Wiener. Doch dann sehe ich es auch andersrum: würden auch nur ein paar mehr Menschen so denken, handeln und leben wie ich, wären wir auf diesem Planeten schon ein ganz schönes Stück weiter. Und dass ich das sage, sehe ich nicht als eingebildet an, denn ich weiß, dass es stimmt. Erst letztes Wochenende hat mein Papa wieder etwas in der Art zu mir gesagt. Und damit auch der Appell an Euch: jeder noch so kleine Schritt in die richtige Richtung ist einer, den viele andere noch nicht getan haben und um den ihr all denen dann voraus seid. Und darauf könnt ihr gefälligst stolz sein!

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