Fragen über Fragen

Viele Menschen fragen mich viele verschiedene Dinge. Hier habe ich mal die 10 Häufigsten aufgeschrieben:

1. Wie kamst Du darauf?

Tatsächlich habe ich mich schon vorher des Öfteren mal über alternative Lebensstile informiert. Ein Aussteigerleben, ein Leben ohne Geld, Minimalismus… Und so kam ich eben auch darauf, dass man in seinem Leben komplett auf Plastik verzichten kann. Ich habe schon zuvor immer versucht, möglichst viel in Gläsern zu kaufen und auf unnötige Verpackung, z.B. beim Obst und Gemüse zu verzichten. Großartig informieren, wie schlecht Plastik für die Umwelt ist und wo ein Großteil davon landet, musste ich mich auch nicht. Das sieht man tagtäglich. Mir fiel es besonders auf Teneriffa auf, wo der komplette Strand von Plastikteilen überflutet war.

Und ich habe es auch als persönliche Challenge gesehen. Ich war nie ein Mensch, der an einer Sache lange festgehalten und sich richtig reingekniet hat und so hatte ich endlich etwas gefunden. Und bis heute ist kein Tag vergangen an dem ich dachte: „Wieso machst du das überhaupt?“

2. Wo hast Du dich informiert?

Hierfür gibt es gefühlt endlos viele Möglichkeiten. Wenn man erst einmal in die Szene eintaucht, merkt man recht schnell, dass einem viele Namen ständig über den Weg laufen. Bei mir waren das zunächst die Zero-Waste-Pionierin Bea Johnson aus Amerika, genauso aber auch Shia Su mit ihrem deutschen Blog Wastelandrebel.

Zudem gibt es auch einige Bücher zu diesem Thema und so saß ich eines nachmittags in der Buchhandlung und habe Bücher gewälzt auf der Suche nach neuen Tipps & Tricks. Denn jeder macht es ein bisschen anders und manchmal dauert es, bis man die richtige Lösung für sich selbst gefunden hat. Hier einige Buchempfehlungen:

Shia Su: Zero Waste – Weniger  Müll ist das neue Grün

Anneliese Bunk, Nadine Schubert: Besser leben ohne Plastik

Bea Johnson: Zero Waste Home

3. Wie machst Du das im Urlaub?

In Deutschland: In Deutschland ist es auch in einer fremden Umgebung recht simpel, an unverpackte Lebensmittel zu gelangen. Generell ist der Bioladen meine erste Haltestelle, in größeren Städten gibt es auch vermehrt Unverpackt Läden. Es gilt: Dose, Beutel und Glas immer mit dabei, dann kann fast nichts schief gehen.

Ausland: Bin ich im Ausland und demnach meist auch länger unterwegs, treffe ich einige Vorkehrungen. Ich nehme beispielsweise Waschmittel von mir zuhause mit und habe natürlich auch immer meinen Jutebeutel zum Einkaufen am Start. Vor allem in südlichen Ländern bekommt man nämlich bei jedem Einkauf zig Plastiktüten hinterher geworfen. Auch hier gilt es, den nächsten Bioladen ausfindig zu machen. Da ich nicht weiter als Europa reise, ist das auch mittlerweile mit dem Internet kein Problem mehr.

Ganz klar ist aber: bevor ich nichts zu essen habe, kaufe ich eben etwas in Plastik verpacktes.

4. Gehst Du noch in Restaurants?

Jein. Ich möchte hier unterscheiden zwischen richtigem Restaurant und Fast-Food-Bude. In richtige Restaurants gehe ich noch, wenn auch selten. Hier bestelle ich Getränke dann ohne Strohhalm und überlege mir bei der Wahl des Gerichts, welches wohl am wenigsten Müll produziert und allgemein meinen Einstellugen was Essen angeht entspricht (mehr dazu -> hier). Takeaway ist ein absolutes NoGo, was ich persönlich auch gar nicht schlimm finde. Wenn ich schon Essen gehe, will ich mich auch rundum bedienen lassen. Bleiben Reste übrig, packe ich diese gern unauffällig in eine mitgebrachte Box ein, viele Restaurants sehen das leider nicht so gerne.
Kein Takeaway bedeutet in der Regel auch kein Fast Food auf die Hand. Wenn ich länger wohin gehe, nehme ich mir meistens etwas mit. Ein Brot, Obst oder sowas in der Art. Zur Not gehe ich wenn dann zum Bäcker, weil man dort die Sachen in einer Papiertüte bekommt.

5. Macht es Dir was aus, wie andere darüber denken?

Nein. Natürlich zieht man mit einigen Aussagen viele Blicke auf sich. In manchen Situationen kann man sich ein Kommentar auch einfach nicht verkneifen und einige rollen dann mit den Augen. Deshalb versuche ich, niemanden zu verletzen oder ihm ein schlechtes Gewissen zu machen, denn nach meiner Erfahrung bringt das nichts. Was ich mache ist Aufklären. Ich kann die Menschen im meinem Umfeld informieren, soweit sie das zulassen. Wie sie mit dem vorhandenen Wissen umgehen und ob sie etwas an ihren Handlungen ändern, ist letztendlich ihre Entscheidung. Ich bin schon froh, wenn jemand Verständnis zeigt oder sogar aktiv nachhakt, wie ich dies oder jenes denn mach so ganz ohne Plastik regele.

6. Hast Du mal überlegt, es einfach wieder sein zu lassen?

Hochgerechnet vermutlich nicht mehr als 30 Sekunden. Da ich weiß, wie es ist ohne Plastik zu leben, würde ich es mit meinem Gewissen gar nicht vereinbaren können. Schon jetzt habe ich tagelang ein schlechtes Gewissen, wenn ich doch ausnahmsweise mal etwas gekauft oder irgendwo eine kostenlose Produktprobe angenommen habe.

7. Berücksichtigen Deine Freunde deinen Lebensstil (Geschenke)?

Teils, teils. Gerade am Anfang war es schwer, den Menschen in meinem Umfeld klar zu machen, wie ernst es mir mit dieser Sache ist, und dass das auch nicht einfach eine rebellische Phase ist. Deshalb habe ich mir angewöhnt, es einfach zu sagen. Zu Weihnachten, zum Geburtstag, einfach immer. Das kann man auch ganz offen tun! „Hey, wenn du mir was schenken möchtest fände ich es schön, wenn du meine Einstellung respektieren und mir nichts in Plastik verpacktes schenken würdest.“
Gerade bei den Eltern war das nicht ganz so einfach. Nur sage ich dazu auch immer: ihr schenkt einem Veganer doch auch kein richtig gutes Stück Schwarzwälder Schinken. Mehr dazu lest ihr in meinem Blogbeitrag -> hier.

8. Kommst Du manchmal in Versuchung?

Aber natürlich! Erst letzte Woche habe ich mir einen Becher Eis gekauft, wo zwischen Deckel und Eis eine Folie war. Natürlich stehe ich manchmal vor dem Regal mit den Süßigkeiten und hab einfach Bock auf Gummibärchis oder Chips. Und alle paar Wochen mache ich dann einen Cheatday und kaufe mir irgendwas, was ich sonst nicht kaufen würde. Das genieße ich dann besonders und es reicht mir auch wieder, bis das schlechte Gewissen abgeebbt ist. Vieles lässt sich aber auch über Foodsharing kompensieren, hier kommt man manchmal auch an einige Leckereien ran..

9. Wieso benutzt Du nach wie vor Sachen aus Plastik (Tupperdosen, etc.)?

Voll und ganz im Sinne der Nachhaltigkeit zu leben bedeutet für mich auch, Dinge aufzubrauchen, bis sie kaputt gehen oder untauglich sind. So benutze ich nach wie vor Tupperdosen aus unserem schier nie enden wollenden Arsenal in der Küche. Denn die wegzugeben, um mich dann mit neuen aus Metall oder Glas einzudecken, nur um dem Plastik zu entfliehen, macht für mich keinen Sinn. Im Gegenteil wären das ja wieder neue Rohstoffe, die extra für mich verbraucht werden. Alles, was länger lagert und wo Mikroplastikteile in mein Essen übergehen könnten, kommt aber trotzdem ins Glas.

10. Wie macht ihr das bei Dir zuhause?

Das ist eine sehr gute Frage. Momentan lebe ich in einer sehr tollen 2er Mädels-WG und wie man es sich schon fast denken kann, lebt meine Mitbewohnerin nicht plastikfrei. Der Zufall wäre auch zu schön. Im Sinne unseres Zusammenlebens gehe ich hier einige Kompromisse ein und würde ein paar Dinge ziemlich wahrscheinlich anders machen, wenn ich alleine leben würde. Da ich das aber nicht will, bleibt nur Variante eins. Sehr süß ist allerdings zu beobachten, dass es auch ein wenig zu ihr übergeschwappt ist. Wenn wie beispielsweise zusammen kochen hat sie fast schon ein schlechtes Gewissen, wenn ihre Paprika in Folie verpackt ist.

Wenn ich bei meinem Freund in der WG bin ist es ähnlich. Er achtet zwar auch sehr auf seinen Lebensstil, kauft auch ausschließlich Bio und versucht Plastik zu vermeiden. So ganz umstellen kann und mag er aber momentan nicht. Gut für mich, so komme ich nämlich an meine heißgeliebten Gummibärchis und an Schoki ran, ganz ohne schlechtes Gewissen…