Hände übergeben Blume

Als ich die Entscheidung getroffen habe, von nun an plastikfrei und low waste zu Leben, schwebte ich eine ganze Weile auf der Charity-Wolke. Ich hatte Non Stop das Gefühl, mein Bestes zu geben und der Umwelt dadurch unfassbar viel Gutes zu tun. Das tat ich ja auch, denken sich jetzt vielleicht viele. Und im Prinzip ist es ja auch so. Doch lasst mich das Blatt mal andersherum aufrollen.

Ich wurde bio erzogen. Es gab einfach nichts anderes. Klar, mal eine Tüte Chips oder alle paar Monate ein Besuch bei Burger King. Ich ließ mich nie unnötig mit dem Auto durch die Gegend kutschieren und seit ich selber fahre, achte ich da sogar noch mehr drauf. Es ist immer eine persönliche Challenge, den Spritverbrauch, den meine Eltern so haben, zu unterbieten (dank der Technik kann man das ja immer sofort sehen). Doch im Nachhinein muss ich trotzdem mit dem Kopf schütteln. Über so einiges, was ich in der damaligen Situation vermeintlich richtig und der Umwelt zugute tat. Und wahrscheinlich wird mir das in zwei Jahren wieder so gehen, wenn ich auf mein jetziges Leben zurückblicke.

Die Umstellung von einem normalen Leben auf low waste und plasticfree nimmt anfangs sehr viel Zeit in Anspruch, vor allem mental. Erst nach ein paar Monaten kehrt halbwegs Routine ein und man steht weniger oft vor dem Problem, eine unverpackte Alternative finden zu müssen. Allerdings hat man dann wieder mehr Raum und Zeit, um sich über andere Dinge zu informieren, man ist wieder offener Neuem gegenüber, weil das eigene Chaos beseitigt ist. Und erst da fiel mir auf, dass Müll zu vermeiden längst nicht alles ist. Nicht, dass ich das je geglaubt hätte! Aber plötzlich waren da so viele Dinge mehr, die bedacht werden sollten.

Worum geht es wirklich?

Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst wenig Müll produziert zu haben. Es geht um das große Ganze. Den Planeten, mit allem was er ist und was er uns gibt, nämlich das Leben, zu respektieren und zu schützen.

So zu leben, wie ich es jetzt tue, hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Es ist meistens nämlich nicht das Neue, was überdacht und geändert werden sollte. Sondern das Altbekannte, das Alltägliche. Die tägliche Dusche, der Gang zur Bank, die argentinische Birne im Februar, die Beleuchtung des Weihnachtsbaumes, einfach alles. Ein nachhaltiges Leben, an dessen Ende ich guten Gewissens davon überzeugt sein kann, alles in meiner Macht stehende dafür getan zu haben, dass meine Kinder und Kindeskinder auf unserer Erde noch ein gutes und erfülltes Leben führen können.

Das beginnt bei den Produkten, die wir konsumieren, geht weiter über den Strom, den wir verbrauchen, die Bank, die wir mit unserem Geld fördern bis zum Programm, das abends im TV eingeschaltet wird. Mit jeder dieser Taten geben wir eine Stimme ab. Und genau deshalb sollten wir uns weise überlegen, wem oder was wir diese Stimme geben wollen. Denn wir sind der Konsument, nach uns richtet sich der Markt, die Nachfrage bestimmt nach wie vor das Angebot.

Auch Du gibst eine Stimme ab

Jeder kann tagtäglich seine Stimme der umweltfreundlicheren, faireren, ethisch und moralisch korrekteren Alternative geben. Ich persönlich sehe meine Aufgabe darin, die Menschen in meinem Umfeld darauf aufmerksam zu machen, auch wenn viele dieses Wissen verweigern oder schnell wieder verdrängen. Man muss aufklären, vielleicht auch ein wenig schocken und damit ein schlechtes Gewissen erzeugen. Aber niemanden für sein Tun verurteilen. Mann kann nicht mehr tun, als Wissen zu verbreiten. Was ein jeder mit diesem Wissen anfängt, ist seine Entscheidung.

Deshalb Leute: informiert Euch, seid offen für Neues, verschließt nie die Augen vor der Wahrheit und gebt Euer bestes, nein, das allerbeste! Mich führte dieser Weg zu mehr Glück und Zufriedenheit.

Hände halten Bonsai

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