„Aaaaaaah, die will ich! Genau die!“, schreit es aus dem Wohnzimmer. Mit den Augen rollend hiefe ich mich aus dem Bett um in Augenschein zu nehmen, was meine Mitbewohnerin diesmal wieder auf Ebay Kleinanzeigen entdeckt hat. Die ist was Second Hand in der Wohnung angeht nämlich fast so schlimm wie ich.

Das schwedische Möbelhaus zieht mich schon lange nicht mehr in seinen Bann. Ich habe nämlich festgestellt, dass ich gerne Dinge mit Charakter und Geschichte in meinem Zimmer habe. Und da ich der Typ Mensch bin, der gerne alles selber macht, kam es schon in meiner ersten Studentenbude dazu, dass ich mir den Traum von einem Palettenbett erfüllt habe. In zweiten Quartier war das leider platztechnisch nicht drin, also wurden die Paletten wieder verscherbelt. Den Schrank aus der ersten WG nahm ich dennoch mit. Dieser gefiel mir aber nach kurzer Zeit nicht mehr, einem meiner neuen Mitbewohner aber schon. Mir gefiel seiner besser als mein jetziger und so kam es, dass wir kurzerhand anpackten und unsere Schränke getauscht haben.
Dieser Schrank wiederrum zog nicht mit nach Stuttgart, weshalb dann doch ein neuer her musste. Da ich aber überhaupt kein Fan von Schranktüren bin (frag mich nicht, warum), habe ich eine Gardinenstange dazu gekauft und diese am Schrank montiert. So kann ich jetzt je nach Laune und Jahreszeit meine Vorhänge wechseln. Praktisch ist es auch noch, und so hängen auch bei meiner Mitbewohnerin seit einiger Zeit zwei Stoffe vor ihrem Schrank.

 

Meine Top 10

Ich könnte in diesem Beitrag so viele Dinge zeigen und erzählen, doch damit würde ich jeglichen Rahmen sprengen. So haben es nur meine Top 10 hier rein geschafft:

Platz 10:

Im Prinzip ist das hier gar nicht Second Hand, denn eigentlich kommt es nur aus dem Zimmer zwei Türen weiter. Nachdem meine Mitbewohnerin alle Prüfungen ihrer Ausbildung

rum hatte, stand eine große Ausmistaktion auf dem Plan. Hierbei fiel ihr auf, dass ihr Schreibtisch nun viel zu groß sei, jetzt wo sie ihn gar nicht mehr bräuchte. Ich hingegen beklagte mich schon seit einiger Zeit, immer am Esstisch zu lernen, wo doch der Ausblick aus meinem Fenster viel schöner wäre. Hier sei allerdings der Schreibtisch zu klein. Wir brauchten gar nichts zu schwätzen sondern trugen still schweigend meinen Schreibtisch in ihr Zimmer und umgekehrt. Happy End für beide.

 

 

Platz 9:

Diese Kommode kenne ich schon, seit ich denken kann. Sie stand in beiden Häusern in denen ich als Kind gelebt habe und wurde erst beim letzten Umzug in den Keller verbannt. Da meine Eltern sie nicht weggeben wollten, sie aber auch nirgendwo mehr hin passte, wurde ich als neue Besitzerin auserkoren. Die  Kommode ist so ein Teil, das schaue ich einfach gerne an.

 

 

 

Platz 8:

Unser Esstisch, den wir irgendwie viel zu selten nutzen, ist auch aus zweiter Hand. Den alten (ein wunderschöner aber affig teurer Rundtisch in weiß) musste leider mit der Vormieterin ausziehen, als dieser nach eineinhalb Jahren einfiel, dass der ja noch ihr gehörte. Ja, so Leute gibt es. Also zog dieser schlichte Holztisch ein. Die (fast) passenden Stühle wurden von den Eltern der Mitbewohnerin gesponsort, was wie man sieht auch immer ein guter Anhaltspunkt ist.

 

 

Platz 7:

Auf den siebten Platz hat es mein Bett geschafft! Ich wollte schon immer mal ein Metallbett haben, ich finde das einfach so schön mit den Kopfteilen. Auch über Ebay fand ich den Typen, der es mit mir sogar noch auseinanderbaute und ins Auto transportierte. Als Dankeschön habe ich ihn dafür mal auf ein Bier eingeladen, die Bekanntschaft (rein freunschaftlich, wer jetzt schon wieder fragwürdige Gedanken hat) hat sich dann aber nach einer Weile verlaufen.

 

 

 

 

Platz 6:

Dieses schnieke Teil habe ich über Facebook gefunden und mir wenig Gedanken dazu gemacht, wie ich es transportieren soll. So stand ich bei der Guten also vor der Tür und wurde mir der Ausmaße bewusst. War eine etwas ungemütliche Bahnfahrt aber ich liebe es dennoch!

 

 

 

 

Platz 5:

Auf Platz fünf kommt eine Lampe, die mir mein Freund zu Weihnachten geschenkt hat. Die Elektronik ist auch gebraucht und die hat er kurzerhand auf einen leeren Olivenöl-Container montiert. Sieht aus wie ein Designer-Teil, für das man normal 80€ zahlen würde. Danke dafür!

 

 

 

 

Platz 4:

Unser Mülleimer. Der  ist nämlich eigentlich gar kein Mülleimer sondern ein alter Topf zum Einmachen von Obst und Gemüse. Er stand eines Abends völlig verlassen bei allem möglichen anderen Krimskrams, der am nächsten Tag mit dem Sperrmüll abgeholt werden sollte. Nach der Entfernung sämtlicher Spinnweben konnte man ihn auch anfassen. Einziger Nachteil: er ist ziemlich laut, also wenn man den Deckel wieder aufsetzt oder ihn mal auf den Boden legt. Aber damit kommen wir klar. Denke ich…

 

 

 

Platz 3:

Seit mehreren Jahren mein treuer Begleiter wenn ich krank bin, um meine Apotheke zu lagern ist mein werter Herr Nachttisch, den habe ich jetzt 2014. Zu der Zeit absolvierte ich ein Praktikum in einem Jugendhaus, in dem es unter anderem auch Bandproberäume gab. Das alte Schlagzeug wurde ausrangiert und ich fand so eine TomTom als Bettgesellen total toll und habe bisher eigentlich auch nur Komplimente dafür bekommen.

 

 

Platz 2:

Nicht fehlen darf in dieser Liste das absolut Zweckentfremdetste, was es in unserer WG gibt. Dieses… nennen wir es Dekoelement war usprünglich mal ein Spiegel. Dieser flog unglücklicherweise um sodass das Glas in 1000 Teile splitterte. Ein Teil war noch unversehrt aber es sah nicht vintage aus sondern einfach nur kaputt. Also haben wir kurzerhand das Glas heraus getrennt, Pflänzchen gekauft und diese in alte Dosen gepflanzt und eine fancy Lichterkette drum herum gehängt. Da die Tür im Hintergrund nicht genutzt wird, wir aber auch keine Nägel rein hauen dürfen, war das die optimale Lösung. Etwas kitschig aber süß.

 

Platz 1:

Zwar nicht der schönste Teil unserer WG aber dennoch die lustigste Geschichte dazu, deshalb mein Favorit. Eines Abends saßen wir so im Wohnzimmer, der Fernseher lief, es kam Werbung.

„Wir könnten hier im Wohnzimmer mal was Neues gebrauchen, die Möbel sind ja nicht so der Hit und den Stauraum nutzen wir so oder so nicht.“

„Gute Idee, an was hast Du gedacht?“

„So weit war ich noch nicht… Lass mal schauen, was Ebay Kleinanzeigen so hergibt.“

Gesagt getan. Von dem Moment, in dem wir beschlossen hatten, umzudekorieren, bis zum Zeitpunkt, als wir beim Verkäufer an der Tür klingelten, gingen keine 30 Minuten vorbei. Gut, man muss dazu sagen, dass dieser nur die Straße runter wohnte. Allerdings war es schon 21:30 und damit für deutsche Verhältnisse nicht gerade üblich, mal eben so anderen Leuten so auf den Sack zu gehen. Und seitdem besitzen wir dieses Lowboard was so um die 5€ gekostet hat.

Das Sideboard was wir ausgemistet haben und aus Platzgründen auf dem Flur zwischenlagern mussten, steht jetzt übrigens bei unseren Nachbarn gegenüber. Die haben die Nachricht gesehen, dass wir ausgemistet haben und der Schrank bald abgeholt werden würde und fragten prompt nach, ob denn wirklich jemand kommt, sie hätten nämlich Interesse daran. Tja Leute, so kann’s gehen.

Und wie komme ich jetzt an gebrauchte Haushaltsgegenstände?

Möglichkeiten, an gebrauchte Gegenstände zu kommen, gibt es viele. Vor allem in größeren Städten scheinen die Gruppen auf Facebook ins Unermessliche zu gehen, oft gibt es auch sogenannte „Free Your Stuff“-Gruppen, wo die Leute alles mögliche zu verschenken pflegen. Damit und mit der Trödelseite des Internetriesen Ebay ist man in der Regel ganz gut bedient. Vorteil von Kleinanzeigen hier natürlich ganz klar das Einstellen der genauen Suchkriterien. Doch auch mit dem neuen Facebook Marketplace geht das ganz gut. Flohmärkte sind natürlich auch immer eine gute Sache und ich persönlich liebe in Stuttgart die „Zu verschenken“-Kisten, die nicht selten auf dem Gehweg stehen. Man muss nur offen für Neues sein und auch mal um die Ecke denken. Es braucht nicht immer den neuesten Schnickschnack, Sinn und Zweck ist es ja, die Dinge möglichst lange zu verwenden. Stichwort „Zweckentfremdung“ ist hierbei auch sehr sinnvoll, oben hast Du ja schon ein paar Anregungen und Eindrücke bekommen.

 

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